Straßen.NRW-Pilotprojekt: Auf dem Weg zur insektenfreundlichen Meisterei

Straßen.NRW-Pilotprojekt: Auf dem Weg zur insektenfreundlichen Meisterei

Marl/Gelsenkirchen (straßen.nrw). Eine Straßenmeisterei ist kein Ponyhof, auch wenn hier viele Pferdestärken bewegt werden. Im Gegenteil: Die Betriebshöfe von Straßen.NRW sind pragmatisch geplante Anlagen, nutzbar für die schweren LKW und Arbeitsgeräte einer Meisterei. Von Natur also kaum eine Spur. Das soll sich ändern. In Marl stellte der Landesbetrieb jetzt das Pilotprojekt „Insektenfreundliche Meisterei“ vor. Was hier erprobt und für gut befunden wird, soll künftig auf die über 80 Meisterei-Standorte ausgeweitet werden.

„Als Landesbetrieb Straßenbau werden wir nicht sofort mit dem Thema Naturschutz in Verbindung gebracht“, weiß Straßen.NRW-Direktorin Elfriede Sauerwein-Braksiek. Dabei gehört beim Thema Straßenbau der Naturschutz seit langem dazu. Für jeden Eingriff muss Ausgleich geschaffen werden. Neben den Ingenieuren und Technikern, die für Straßen- und Brückenplanung zuständig sind, arbeiten auch Landespfleger, Umwelt- und Forstexperten beim Landesbetrieb, um die gesetzlichen Vorgaben zu erfüllen. Nun will Straßen.NRW noch einen Schritt weiter gehen und auch im eigenen Betrieb das Thema Naturschutz vorantreiben. „Die aktuellen Meldungen zum dramatischen Rückgang von Insekten und speziell zum Bienensterben nehmen auch unsere Mitarbeiter wahr“, sagt Sauerwein-Braksiek und freut sich, dass die Anregung, eine Meisterei insektenfreundlich zu gestalten, aus den Reihen der eigenen Mitarbeiter kam. „Wenn jeder einen kleinen Teil beiträgt, kann gemeinsam etwas verbessert werden.“

Wenig Aufwand – viel Lebensraum

Ganz so klein ist der Beitrag, der nun in Marl vorgestellt wurde, nicht. Martin Saglimbeni, auf der Meisterei für den Fuhrpark zuständig, hat den Anstoß gegeben, nicht nur insektenfreundliche Sträucher zu pflanzen. Auch die auf jedem Gehöft vorhandene Mittelinsel wird – künftig mit Wildblumen bepflanzt – zahlreiche Insekten anlocken. „Ich habe meinen eigenen Garten insektenfreundlich umgestaltet“, sagt Saglimbeni. „Als ich damit fertig war, habe ich festgestellt, dass hier auf der Meisterei auch mit wenig Aufwand viel Lebensraum geschaffen werden kann.“ In den für die Liegenschaften zuständigen Abteilungen haben die Marler Straßen.NRW-Mitarbeiter offene Türen gefunden. „Wir wollen die Möglichkeiten nach Aufwand und Nutzen in Marl testen und dann auch für unsere übrigen Meistereien umsetzen“, sagt Ralf Wortmann, bei Straßen.NRW für die Liegenschaften verantwortlich.

Der Landesbetrieb setzt mit dem Pilotprojekt in Marl schon jetzt eine der Ideen um, die der Landtag der Landesregierung zur Prüfung aufgegeben hat: So soll geprüft werden, „ob durch gezielte Extensivierung sowie Einsaat- und Bepflanzungsmaßnahmen von öffentlichen Brachflächen, Flächen der landeseigenen Liegenschaften (inklusive nachgeordneter Behörden), Straßenrändern, Grünflächen und Parkanlagen die Lebensräume für Insekten positiv gestaltet werden können.“

Ganz konkret bedeutet das in Marl, dass nicht nur die Mittelinsel zum blühenden Insektenparadies wird, sondern dass auch die übrigen Freiflächen mit Blick auf Insektenfreundlichkeit gestaltet werden: Blühende Büsche sind rund um das Verwaltungsgebäude gepflanzt worden. Eine gut 15 Meter lange Thujen-Hecke wird durch heimische Sträucher ersetzt, die Insekten Nahrung und Vögeln Lebensraum bieten. Unterschlupf für Insekten und Kleinlebewesen bietet eine Trockenmauer, die an einem bereits vorhandenen Teich entstanden ist. Zwei Obstbäume blühen künftig auf dem Gelände und in einer Azubi-Aktion sollen darüber hinaus noch Insektenhotels gebaut werden.

Hintergrund

  • Straßen.NRW betreibt 80 Autobahn- und Straßenmeistereien. In der Regel verfügen die Meistereien über eine Fläche zwischen 10.000 und 30.000 Quadratmetern, 20 bis 25 Prozent davon sind Grünflächen.
  • Nicht nur bei den Liegenschaften steht das Thema Insekten auf der Tagesordnung. Auch bei Straßen-Neubaumaßnahmen und auf Ausgleichsflächen wird insektenfreundlich gepflanzt. So kommt bei mehreren Projekten spezielles Regiosaatgut zum Einsatz, das einen höheren Anteil an heimischen Kräutern und Blumen hat.
  • Hauptnahrungslieferant rechts und links des Straßenraums sind allerdings heimische Sträucher.
  • In Marl wurden insgesamt 30 Sträucher gepflanzt: Philadelphus coronarius – Europäischer Pfeifenstrauch; Viburnum opulus – gewöhnlicher Schneeball; Crataegus monogyna – Weißdorn; Ligustrum vulgare – Liguster; Cornus sanguinea -- Roter Hartriegel; Cornus mas – Kornelkirsche; Sanddorn. Dazu als Bodendecker 35 Pflanzen Deutzia gracilis – Maiblumenstrauch. Die Wiese wurde mit „Quedlinburger Insektentreff“ und „Schmetterlingstreffpunkt“ eingesät. Sobald das regionale Saatgut lieferbar ist, wird dieses nachgesät.
  • Insgesamt hat der Landesbetrieb in der vergangenen Pflanzsaison (2017/18) 85.000 heimische Sträucher dort gepflanzt, wo Straßen neu-, um- oder ausgebaut wurden.